Therapie
Medikamente und Wirkstoffgruppen bei COPD
SAMA, SABA, LAMA, LABA – klingt in deinen Ohren nur nach Unsinn? Verständlich! Medizinische Abkürzungen klingen oft fremd und können schnell überfordern. Trotzdem kann es sich lohnen, einen genaueren Blick darauf zu werfen. Denn wenn du verstehst, was dahintersteckt, fühlst du dich im Umgang mit deiner Behandlung sicherer und kannst im nächsten Arztgespräch die richtigen Fragen stellen.
Im Bereich der COPD-Behandlung gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Medikamente und Wirkstoffgruppen. Diese werden abhängig vom Schweregrad, den Symptomen und Anzahl akuter Verschlechterungen (Exazerbationen) sowie persönlichen Faktoren verschieden eingesetzt.1,2 Deswegen gilt: Keine COPD-Behandlung gleicht der anderen. Und das ist gut so, denn auch keine COPD gleicht der anderen. Die Hauptziele haben alle Behandlungen aber gemeinsam. Sie beruhen auf zwei Säulen:
- Die Erweiterung der Atemwege (durch sogenannte Bronchodilatatoren)
Die Hemmung von Entzündungen
Wirkstoffgruppen zur Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatatoren)
SAMA
Als SAMA werden die sogenannten kurzwirkenden Anticholinergika bezeichnet. SAMAs weiten die Atemwege für mehrere Stunden. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen oder Schwindel.1
SABA
Dies ist die Abkürzung für die sogenannten kurzwirkenden Beta-Mimetika. Das sind COPD-Medikamente, die innerhalb weniger Minuten die Atemwege weiten und die Atemnot lindern. Allerdings kann sich die Wirkdauer verkürzen, wenn das Medikament zu häufig eingesetzt wird. Mögliche Nebenwirkungen können unter anderem Herzrasen oder Schlaflosigkeit sein.1
LAMA
Langwirkende Anticholinergika (LAMA) weiten die Atemwege für 12-24 Stunden. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen z.B. ein trockener Mund oder Kopfschmerzen.1
LABA
Langwirkende Beta-Mimetika (LABA) weiten die Bronchien ebenfalls für einen Zeitraum von 12-24 Stunden. Als Nebenwirkungen von LABA können z.B. Herzrasen oder Schlaflosigkeit auftreten.1
Entzündungshemmer
ICS
Inhalative Kortikosteroide (ICS) – umgangssprachlich „Kortison“ genannt – unterdrücken Entzündungen für längere Zeit. Als Nebenwirkungen sind unter anderem Heiserkeit oder Pilzbefall im Mund-Rachen-Raum beobachtet worden. Um Pilzbefall zu verhindern, sollte man nach der Anwendung des Inhalators etwas essen oder trinken, den Mund ausspülen, gurgeln oder die Zähne putzen.1
SCS
Kortison kann auch systemisch verabreicht werden (SCS). Es ist dann in Form von Tabletten (OCS) oder als Spritze verfügbar. Diese Art des Kortisons wird vor allem bei akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) der COPD eingesetzt. Aufgrund eines hohen Nebenwirkungsrisikos bei einer Dauertherapie wird es in der Regel nur kurzfristig eingesetzt.1
Biologika
Für einen bestimmten Teil der COPD-Betroffenen kann auch die neue Wirkstoffgruppe der Biologika in Frage kommen. Die sogenannten monoklonalen Antikörper setzen ebenfalls bei der Entzündung an. Biologika blockieren gezielt die Botenstoffe und unterbrechen so die Entzündungskette.
Ihre Verabreichung ist an strenge Vorgaben geknüpft. So muss eine bestimmte Art der Entzündung vorliegen. Diese erkennt man an dem vermehrten Vorkommen bestimmter Botenstoffe oder Immunzellen, z.B. der Eosinophilen. Die regelmäßige Messung der Eosinophilen-Werte im Blut hilft, den genauen Entzündungstyp (Phänotyp) zu bestimmen, um die passende Therapie zu finden. Biologika kommen erst dann in Frage, wenn die COPD trotz maximaler inhalativer Therapie nicht kontrolliert werden kann. Das heißt: Betroffene wenden bereits eine Dreifachtherapie korrekt an, ohne dass sich ihre Situation ausreichend verbessert.
Die Biologika-Therapie erfordert also eine genaue Diagnostik auf die Eignung der Betroffenen. Sie kann auch nicht als Ersatz der inhalativen Standardtherapie betrachtet werden, sondern ist eine Ergänzung.
Du bist dir unsicher, ob Biologika bei deiner COPD in Frage kommen? Sprich deine Ärztin oder deinen Arzt auf einen Eosinophilen-Test an und besprecht gemeinsam die geeigneten Therapieoptionen.
Neben diesen Wirkstoffgruppen können bei Bedarf noch weitere Medikamente, wie beispielsweise Schleimlöser, Hustenstiller oder Antibiotika in den Behandlungsplan aufgenommen werden.1
Wirkweise und Anwendung der Medikamente im Überblick
Was bedeuten die Abkürzungen und wie genau wirken die Medikamente in deinem Körper? Klicke auf die Begriffe für eine kurze und verständliche Erklärung.
Gut zu wissen
Du hast das Gefühl, dass die verschriebenen Medikamente nicht richtig wirken oder Nebenwirkungen auslösen? Kontaktiere umgehend deine Ärztin oder deinen Arzt, wenn deine Symptome sich verändern. Setze allerdings die Medikamente nie ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
NP-DE-CPU-WCNT-250018, Nov25